Christine Brähler AWP Psychotherapietage 2019

ÜBER MICH

Vita

Dr. Christine Brähler ist Psychologische Psychotherapeutin, Supervisorin und Dozentin. Als Mindful Self-Compassion (MSC)-Ausbilderin bietet sie international und in mehreren Sprachen MSC-Intensivkurse, MSC-Lehrerweiterbildungen und Supervisionen an. Sie unterrichtet innovative Seminare zur Vertiefung der MSC-Lehrkompetenzen, zu Selbstmitgefühl in der Psychotherapie und zu Fierce Self-Compassion. Ihre akademischen und populären Veröffentlichungen umfassen die erste klinische Studie über Compassion Focused Therapy. www.christinebraehler.com

Dr. Christine Brähler

Abschlüsse:

  • Doctor by Research (PhD)
  • Doctor of Clinical Psychology (DClinPsy)
  • Masters Psychology (Hons)

Approbationen:

  • Clinical Psychologist, GB
  • Psychologische Psychotherapeutin, DE
  • Akkreditierte Dozentin, Supervisorin,
    Selbsterfahrungsleiterin, DE

Weitere Positionen
& Qualifikationen:

  • MSC-Ausbilderin
  • Honorary Lecturer, University of Glasgow

DAS “WAS, WARUM UND WIE“ MEINER BERUFLICHEN TÄTIGKEITEN

Psychotherapie

Ich bin klinische Psychologin und Psychotherapeutin. Mein Erststudium sowie meinen klinischen und Forschungsdoktor habe ich an der University of Edinburgh in Schottland, GB, gemacht.

Sowohl während meiner klinischen Ausbildung in Kanada und in Schottland als auch in meiner ersten Anstellung beim National Health Service in Schottland habe ich vorwiegend mit Menschen gerabeitet, die von komplexen psychischen Erkrankungen betroffen waren, wie z.B. von Essstörung, chronischer Depression, Zwangsstörung ,  PTBS, Psychose oder Persönlichkeitsproblemen. Es hat mir Freude gemacht, gemeinsam mit Kollegen im interdiziplinären Team zu versuchen den oft jungen Betroffenen und ihren Familien durch Einzel-, Gruppen-und Familientherapie zu helfen.

Als ich nach Deutschland zog, arbeitete ich als Bezugstherapeutin in einer psychosomatischen Klinik. Dort behandelte ich Menschen mit verschiedensten psychischen Erkrankungen mit Einzel-und Gruppentherapie. Die meisten meiner Klienten waren Personen, die, wie ich, ihn helfenden Berufen arbeiteten, und sich in einer existentiellen Sinnkrise befanden. Später zog ich nach München, wo ich in einer Praxisgemeinschaft mit Kollegen ambulanten Psychotherapie anbot.

Über die Jahre versuche ich alles, was ich gelernt habe und noch lerne, in meine Lebensweise und in die Weise, wie ich Psychotherapie mache, zu integrieren. Meine Lernquellen sind Aus-und Fortbildungen, Forschungsbefunde, Bücher, Supervisoren, Kollegen, spirituelle Lehrer und was das Leben mich lehrt und die Weisheit und der Mut, der Menschen, die ich habe begleiten dürfen.

Psychotherapie kann oft geheimnisvoll und nebulös erscheinen. Ich bin in verschiedenen evidenz-basierten Methoden ausgebildet, die ich den Ressourcen und den Problemen der Person anpasse. Meine Absichten sind die Person dort abzuholen, wo sie ist, als echter und ehrlicher Mitmensch. Indem ich mich in mich selbst einfühle, versuche ich mich in die Person vor mir einzufühlen, und versuche es erneut, wenn ich scheitere. Indem ich mich mit meinem Körper und Gefühlen verbinde, lade ich die Person ein sich stufenweise mit ihren eigenen Empfindungen, Gefühlen und Gedanken zu verbinden und diesen mit mehr und mehr Mut, Mitgefühl und Klarheit zu begegnen. Indem ich darauf vertraue, dass wir alle weise Anteile in uns haben, lade ich die Person ein, Zugang zu ihrer eigenen inneren Weisheit und Mitgefühl zu finden. Mit Wohlwollen und Geduld halte ich den Raum, in dem die Person ihre innere Welt von schützenden und verletzten Anteilen aus einer mitfühlenden Perspektive erforschen kann. Mit Vertrauen ermutige und coache ich die Person auch Veränderungen vorzunehmen, die sie gerne machen würden.

Auf jedem Schritt auf der therapeutischen Reise, fühle ich mich von dem Wissen getragen, dass es möglich ist, allem, was in mir, im Klienten oder in der Beziehung auftaucht, Mitgefühl entgegenzubringen. Weises Mitgefühl kann wie eine gute Medizin wirken, die mit der Zeit ihr Potenzial entfaltet Verletzungen zu heilen, das Unaushaltbare aushaltbarer zu machen und Einsichten zu fördern. Indem ich, das was verbannt war in mir, umarme und integriere, kann uns weises Mitgefühl helfen mehr Frieden und Kraft zu erlangen.

Internal Family Systems Therapy fasst meinen aktuellen Psychotherapieansatz am besten zusammen. Ich biete bis auf weiteres jedoch keine Psychotherapie an.

In meinen Workshops für Psychotherapeuten, kann man lernen, wie man mit herausfordernden Momenten von Scham, Erschöpfung, Genervtheit und Ohnmacht in der Therapie umgehen kann und wie man sicheren Zugang zum Selbstmitgefühl innerhalb eines verletzten oder traumatisierten Bindungssystem finden kann (wie z.B. bei Borderline Persönlichkeitstörung) und dabei die Hindernisse navigieren lernt.

Achtsamkeit & Mitgefühls-Kurse & Lehrerweiterbildung

Während meiner klinischen Ausbildung erlebte ich eine Phase von Überforderung und Ohnmacht als ich mit Menschen mit finalen Erkrankungen arbeitete. Meine Werkzeuge funktionierten nicht mehr angesichts des irreparablen Leids von Krankheit und Sterben. Mir wurde bewußt, dass ich einen neuen Umgang mit unvermeidbarem Leid lernen musste. Als ich las, dass Mut und Mitgefühl helfen können, um leidvollen Erfahrungen zu begegnen und zu verwandeln, da wurde ich Ohr. Ich begann buddhistische Meditation zu praktizieren und nahm an einem 2-jährigen Trainingsprogramm in Achtsamkeit, Mitgefühl, Freude, Gleichmut und Weisheit in dieser Gemeinschaft in Schottland teil. Durch das tägliche Praktizieren begann ich allmählich meinen Körper mehr zu bewohnen, was mir mehr Ruhe und Gelassenheit verschaffte.

Später entdeckte ich Imaginationsübungen, die mir Zugang zu meiner inneren Weisheit und Mitgefühl ermöglichten. Meine Begeisterung führte mich dazu kreativ zu werden und diese Übungen innerhalb einer Studie zu Compassion Focused Therapy für Psychosebetroffene anzupassen. Unsere Gruppe von Kollegen, die die Therapiegruppen leiteten, wurde im Laufe der Studie klar, dass wir mehr persönliche Praxis von Achtsamkeit und Selbstmitgefühl benötigten bevor wir andere darin anleiten konnten. Während ich ein solches Programm mit Kollegen ausprobierte, erfuhr ich, dass in den USA gerade ein solches Programm für die Allgemeinheit und insbesondere für Gesundheitsberufe entwickelt wurde: das Mindful Self-Compassion (MSC) Programm. Beim ersten Üben von MSC erlebte ich sowohl ein weicher werden mir selbst gegenüber als auch eine „allergische Reaktion“ auf die „Süße“. Trotzdessen blieb ich dran und schenkte mir häufiger Mitgefühl, gerade dann wenn ich es am meisten brauchte aber am wenigsten wollte. Mittlerweile ist Selbstmitgefühl eine lebensnotwendige Ressource für mich geworden. Ich strebe an ein „mitfühlendes Fiasko“ zu sein, so wie es ein Meditationslehrer genannt hat – all meinem Menschsein mit viel Mitgefühl begegnen. Ich erlebe, dass sich meine Bandbreite dadurch erweitert hat und ich den Schmerz anderer besser halten kann, ohne ihn reparieren zu wollen und gleichzeitig geduldig dranbleibe, um sie zu ermutigen unheilsame Dinge im Leben zu verändern.

Recht früh in meiner persönlichen Praxis, wurde ich eingeladen zu unterrichten und Lehrer bzw. Therapeuten auszubilden (zuerst in Compassion Focused Therapy und kurz darauf in Mindful Self-Compassion). Im Jahre 2012 wurde ich eine der ersten MSC-LehrerInnen und im Jahre 2014 als der Lehrerweiterbildungspfad begründet wurde, eine der ersten MSC-AusbilderInnen. Seitdem unterrichte ich weltweit in verschiedenen Sprachen. Ganz besonders mag ich es MSC-LehrerInnen in Inquiry zu coachen. Während meiner Zeit im Vorstand des Center for MSC habe ich das erste internationale MSC-Lehrerfestival in 2018 organisiert, um unsere schnellwachsende globale Gemeinschaft zu feiern und zu fördern. Ich bin dankbar, Teil dieser globalen Familie zu sein.

Mir liegt Fürsorge für die Personen am Herzen, die für andere Fürsorge tragen. Durch Selbstmitgefühl können wir lernen, die Person, die uns am nächsten steht – uns selbst- bedingungslos zu lieben und zu unterstützen. Nur wenn unser Herz voll ist, kann es mit Mitgefühl für andere überfließen ohne dabei zu versiegen.

Forschung

Ich war an Studien über Trauma, Emotionsregulation und Recovery bei Personen mit belastenden Psychoseerfahrungen beteiligt.

Nach meinem Erststudium arbeitete ich zwei Jahre lang als Forschungskoordinatorin für Psychoseprojekte am Douglas Mental Health University Institute in Montréal, Kanada. Zurück in Schottland schloß ich meine klinische Ausbildung und Doktorstudium in klinischer Psychologie an der University of Edinburgh ab. In meiner ersten Anstellung beim National Health Service führte ich die erste randomisierte kontrollierte Studie über Compassion Focused Therapy (CFT) durch, für die ich die Prinzipien und Praktiken von CFT in eine Gruppentherapie für Psychosebetroffene übersetzte und abwandelte. Die Studie zeigte, dass die Förderung einer fürsorglichen und mitfühlenden Haltung in und zwischen Teilnehmern ihnen, half sich verbundener, weniger ausgegrenzt, weniger beschämt und weniger depressiv zu fühlen. Portugisiesche Kollegen haben das Protokoll erfolgreich überarbeitet.

Basieren auf diesen zwei Studien, kann man sagen, dass die Einladung Mitgefühl für die Belastungen, die mit einer Psychose einhergehen, zu entwickeln und dieses Mitgefühl mit anderen Betroffenen zu teilen, zur emotionalen Recovery beitragen kann.

Ich bin seit 2010 mit der University of Glasgow, UK, als Honorary Lecturer affiliert. Ich habe begrenzte Kapazitäten um bezahlte Beratung oder Supervision für Studien zu bieten, die entweder MSC (gemäß Center for MSC Forschungsrichtlinien) evaluieren oder andere mitgefühlsbasierte klinische Interventionen erforschen.